Osteon (griech.): Knochen;
Pathos (griech.): die Fähigkeit, Emotionen, Gefühle, Leidenschaft zu erregen

Die Osteopathie ist eine Methode bei der ausschliesslich mit den Händen untersucht und behandelt wird. Unter Berücksichtigung der Geschichte, Entwicklung und momenta-
nen Lebenssituation eines Menschen, werden Spannungen, Fehlstellungen und verminderte Bewegungsqualitäten erspürt und mit manuellen Techniken behandelt.

Neben den anatomischen Kenntnissen ist dabei vor allem die Fähigkeit der Visuali-
sierung des Therapeuten entscheidend - d.h. die Vorstellung des Therapeuten, die sich in der Arbeit seiner Hände ausdrückt und der Einfluss, den dies auf das Gewebe des Patienten hat.

 

 

Was ist das Besondere an der Osteopathie?

Geschichte der Osteopathie

Was die Osteopathie behandeln kann

Osteopathie in Deutschland

Die Grundprinzipien der Osteopathie





Was ist das Besondere an der Osteopathie?

Viele Kranke vermissen in unserem Medizinsystem das Gefühl, dass ihren Beschwerden wirklich Aufmerksamkeit geschenkt wird. Auf oftmals lange Wartezeiten folgen meistens nur kurze Behandlungen, die keine wirklich eingehende Untersuchung und gründliche Diagnose zulassen.

Nicht selten machen Menschen, die ärztliche Hilfe suchen, die Erfahrung, dass der Untersuchende sie nicht einmal richtig anschaut, geschweige denn anfasst. Da bietet die Osteopathie vielen Menschen eine Alternative zur herkömmlichen medizinischen Praxis:
Durch die Berührung mit den Händen, die gründliche Analyse der Beschwerden (Lokalisation, Auftreten und Qualität) und die genauen Terminabsprachen (ohne lange Wartezeiten), schafft die Osteopathie die Möglichkeit, eine effektive und individuelle Behandlung der Beschwerden in die Wege zu leiten.

Entscheidend ist dabei auch die längere Behandlungsdauer. Außerdem ermöglichen diese Bedingungen eine engere Bindung zwischen Behandler und Behandelten, was sich positiv auf die Behandlung auswirkt - denn ein solches vertrauensvolles Verhältnis ist eine Basis, um den Gesundungsprozess eines Menschen zu erreichen.







Geschichte der Osteopathie

Die Grundlage für die Arbeit der heutigen Osteopathie legte der Amerikaner Dr. A.T. Still vor ca. 120
Jahren. Aufgrund einiger tragischer Todesfälle in seiner Familie, die übertriebenen Medikamenten-
Verordnungen in seiner Zeit und nach dem Studieren philosophischer und naturwissenschaftlicher Konzepte hatte der Arzt nach einem neuen Weg zur Behandlung von kranken Menschen gesucht.

Still sammelte und entwickelte bestimmte Techniken und Prinzipien in der Behandlung mit den Händen und bezeichnete seine Methode als Osteopathie. 1892 gründete Still eine Schule, um sein Wissen weiterzugeben.
Die „American School of Osteopathy“ war gleichzeitig die erste medizinische Einrichtung in den Vereinigten Staaten, in der Frauen zugelassen waren. Nicht zuletzt darin zeigt sich auch, dass A.T. Stills Interessen sich nicht ausschließlich auf den Bereich der Medizin beschränkten.
Seine Schriften und Theorien sind durchdrungen vom Kampf für die Unabhängigkeit des Geistes und die individuelle Freiheit.







Was die Osteopathie behandeln kann

Osteopathie ist mehr als nur eine Schmerztherapie von akuten und chronischen Leiden.
Neben vielen Problemen des Bewegungsapparates wie Schiefhals, Ischiasschmerzen, Hexenschuss, Sportverletzungen, Arthrose, Rheuma, Skoliosen, Haltungsschwächen, Verspannungen, Schultersteife, Rückenschmerzen, Fersensporn, Tennisarm, Golferellenbogen, Schleudertrauma,
Karpaltunnelsyndrom und ähnlichen Beschwerden widmet die Osteopathie sich auch anderen Systemen mit ihren Störungen.

Durch Behandlung der inneren Organe können beispielsweise Verdauungsstörungen, Sodbrennen und Aufstossen, Inkontinenz, Menstruationsbeschwerden, funktionelle Herzbeschwerden wie z.B. Herzrasen oder auch generelle körperliche Spannungszustände positiv beeinflusst werden.

Gute Indikationen für eine osteopathische Behandlung stellen nicht nur Schmerzzustände dar, sondern auch funktionelle Beschwerden wie Schwindel, Einschlafen der Hände, chronisch kalte Füsse, Atemprobleme, Kopfschmerzen, Schlaf- und Konzentrations-Störungen, stressbedingte Problematiken, Kiefergelenksschmerzen, Tinnitus.

Akute Infektionen, Tumorerkrankungen, schwere Unfälle und massive psychische oder metabolische Erkrankungen können im Einzelfall begleitend und in Absprache mit dem Schulmediziner der jeweiligen konventionellen medizinischen Therapie behandelt werden.







Osteopathie in Deutschland

In Deutschland hat die Osteopathie erst fast 100 Jahre nach ihrer Entstehung in den Vereinigten Staaten Fuss gefasst. In den Neunziger Jahren wurden hierzulande die ersten Schulen gegründet.

Nach wie vor gibt es noch keine gesetzliche Regelung für die Ausbildung und keinen eigenen Berufsstand wie in anderen Ländern. Die Osteopathie zählt zur Heilkunde, und diese dürfen nach deutschem Recht nur Ärzte und Heilpraktiker ausüben - Physiotherapeuten dürfen auf deren Verordnung osteopathisch arbeiten.

Da der Begriff ‚Osteopath’ gesetzlich nicht geschützt ist, gibt es eine Vielzahl von unterschiedlichen Ausbildungen. Die fünfjährige Ausbildung an einer von der Akademie für Osteopathie (AfO) akkreditierten Schule mit mindestens 1500 Stunden ist weit verbreitet.
Die eingetragene Marke D.O. ist ein weiteres Qualitätsmerkmal. Sie bedeutet, dass eine wissen-
schaftliche These zur Erlangung der Marke D.O. angefertigt wurde, die sich mit einem Themenkomplex befasst, der für die Osteopathie von Belang ist.







Die Grundprinzipien der Osteopathie

Jeder Therapeut hat seine eigene Herangehens- und Behandlungsweise, doch die im folgenden genannten Prinzipien haben sich nach der Begründung der Osteopathie durch Still entwickelt, und bilden heutzutage die Grundlage einer osteopathischen Behandlung.
Egal, wie lange die Ausbildung eines Therapeuten gedauert hat, und gleichgültig, ob er oder sie sehr strukturell oder nur energetisch arbeitet: Diese Prinzipien sollten alle TherapeutInnen verinnerlicht haben, die für sich in Anspruch nehmen wollen, osteopathisch zu behandeln.


1.  


Wechselwirkung von Struktur und Funktion

Man sollte meinen, dass dieser Zusammenhang auf der Hand liegt: Wenn bei einem Schrank die Türen nicht richtig ausgerichtet sind (Struktur), dann werden sie mit Sicherheit auch nicht so gut schliessen (Funktion) - oder umgekehrt: wenn die Türen nicht gut schliessen, ist davon auszugehen, dass mit der Struktur etwas nicht in Ordnung ist.

Der Biologe und Zellforscher Dr. Donald Ingber von der Universität Harvard hat in seinen Forschungen die Wechselwirkung zwischen dem Gerüst der Zelle und ihren Funktionen heraus gearbeitet. Es zeigt sich immer wieder: Verändert sich die Struktur einer Zelle, hat dies einen Einfluss auf ihre Funktion. Genauso ist es umgekehrt: Wenn sich etwas in der Funktionsweise der Zelle ändert, wird auch ihre Struktur davon beeinflusst.

Besonders anschaulich zeigt sich dieses der Osteopathie zugrunde liegende Prinzip in der Behandlung der Verdauungsorgane: Da die Organe durch den Druck beim Ein- und Ausatmen stets hin und her gleiten, versucht die Osteopathie, durch eine Verbesserung der Gleitfähigkeit der Organe auch ihre Funktion zu verbessern.


2.  


Selbstheilungskräfte

Unser Organismus ist permanent verschiedensten Einflüssen ausgesetzt. Grundsätzlich
verfügt er über Selbstheilungskräfte, die es ihm ermöglichen, diese Faktoren zu kompensieren.
Wenn Schmerz oder Krankheit auftreten, bedeutet das, dass diese Kompensationsmechanismen überfordert sind.

Die Osteopathie nimmt nicht für sich in Anspruch, selber zu heilen, sondern durch die Intervention des Therapeuten mit seinen Händen dem Organismus dabei zu helfen, seine ursprüngliche Kompensationsfähigkeit wieder zu erlangen und darüber hinaus die Auswirkungen schädlicher Einflüsse zu beheben.


3.  


Der Körper als Einheit

Die Osteopathie versteht Gesundheit nicht als einen zu erreichenden Endzustand, sondern als ein dynamisches Gleichgewicht. Sie hilft dem Körper dabei, dieses Gleichgewicht wieder zu finden und die Kraft zu haben, störende Einflüsse zu kompensieren.
Ein Körper im dynamischen Gleichgewicht ist das Resultat eines harmonischen Zusammenspiels aller daran beteiligten Strukturen. Ist dieses Zusammenspiel gestört, entsteht ein Ungleich-
gewicht, und an der schwächsten oder am meisten beanspruchten Stelle im Organismus kann eine Krankheit ausbrechen.


4.  


Das Gesetz der Arterie (Leben ist Bewegung)

Eine freie ungehinderte Fortleitung aller Körperflüssigkeiten und -impulse bedeutet Ernährung
und somit Leben. Kommt es beispielsweise dazu, dass aufgrund von Spannungen einzelne Bereiche unterversorgt werden bzw. nur noch ein mangelhafter Abtransport von Stoffwechsel-
Endprodukten im Körper gewährleistet wird, kann es an den entsprechenden Stellen zum Auftreten von Krankheiten kommen.
In der osteopathischen Behandlung wird deshalb versucht, das Gleichgewicht wieder herzustellen, damit in allen Bereichen wieder gleichmässig ver- und entsorgt wird.


5.  


Der Patient, nicht die Krankheit

Im Mittelpunkt der osteopathischen Behandlung steht der Mensch, der in die Praxis kommt,
und nicht seine derzeitige Erkrankung. Dabei betrachtet die Osteopathie stets die Gesamtfunktion des Körpers.
Sie tut das unter Zuhilfenahme von experimentellen Wissenschaften und deren relevanten Forschungsergebnissen, stellt diese jedoch nicht in den Vordergrund der Behandlung.
Nicht der Name der Krankheit ist wichtig, sondern die Betrachtung der zu Behandelnden als Individuen mit einer ganz eigenen Entwicklung und einem jeweils spezifischen Umfeld.

„Nur so kann gewährleistet werden, dass der Mitmensch als Behandelter nicht zum Gefangenen
in einer für endgültig gehaltenen klinischen Realitätskonstruktion des Behandlers wird.“

(Peter Sommerfeld)






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